Wer an Landwirtschaft denkt, sieht oft ein Bild vor sich, das nicht der Realität entspricht: den Mann auf dem Traktor. Dabei sind es weltweit Frauen, die einen Großteil der Feldarbeit, der Ernte und der Weiterverarbeitung leisten — meist unbezahlt, selten sichtbar. Bei Bottega Botanika sind über 80 % unserer Erzeuger:innen kleine, von Frauen geführte Betriebe. Das ist kein Zufall, sondern das Ergebnis einer bewussten Entscheidung: mit Menschen zusammenzuarbeiten, die Böden regenerieren, statt sie zu erschöpfen, und die Sortenvielfalt bewahren, statt sie zu vereinheitlichen.
Die unsichtbare Arbeit hinter dem Feld
Der Blick nach Deutschland zeigt das Problem besonders deutlich: Nur 11 % der landwirtschaftlichen Betriebe hierzulande werden von einer Frau geführt — im EU-weiten Durchschnitt sind es rund 32 %, in Lettland und Litauen sogar 45 %. Damit gehört Deutschland zu den Schlusslichtern Europas. Dabei arbeiten laut Statistischem Bundesamt rund 310.000 Frauen in der deutschen Landwirtschaft, etwa 35 % aller dort Beschäftigten (Stand 2023) — deutlich unter dem Frauenanteil über alle Berufe hinweg (47 %).
Nach Angaben der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) machten Frauen 2019 rund 38 % der weltweiten landwirtschaftlichen Arbeitskräfte aus, in einigen Regionen und nach älteren Erhebungen sogar deutlich mehr. Ihre Arbeit wird jedoch systematisch unterbewertet: Jäten und Ernten gelten in vielen Erhebungen traditionell als „weibliche“ Tätigkeiten, tauchen in offiziellen Statistiken aber kaum auf, weil ein großer Teil davon unbezahlte Subsistenzarbeit ist.
Der Zugang zu Ressourcen verstärkt diese Unsichtbarkeit. Landwirtinnen erhalten nach FAO-Daten nur einen Bruchteil der landwirtschaftlichen Beratungsleistungen, die männlichen Betrieben zugutekommen, und nur eine Minderheit der Berater:innen selbst ist weiblich. Hätten Frauen denselben Zugang zu Land, Krediten und Betriebsmitteln wie Männer, könnten die Erträge auf ihren Flächen laut FAO-Schätzungen um 20 bis 30 % steigen — mit spürbaren Effekten auf die globale Ernährungssicherheit.
Rural Feminism: mehr als ein Schlagwort
Ländlicher Feminismus beschreibt die politische Dimension dieser Arbeit: das Recht von Frauen auf Land, auf faire Entlohnung, auf Entscheidungsmacht über das, was sie anbauen. Es geht nicht darum, Landwirtschaft zu romantisieren, sondern darum, eine strukturelle Schieflage sichtbar zu machen — und mit jedem Einkauf eine Alternative dazu zu unterstützen.
Von Frauen geführte landw. Betriebe in Deutschland: 11 % (BZL / Destatis, 2023)
Von Frauen geführte landw. Betriebe, EU-Durchschnitt: ≈ 32 % (Eurostat, 2020)
Frauenanteil an landw. Arbeitskräften weltweit (2019): 38 % (FAO, 2023)
Anteil erhaltener Beratungsdienste für Landwirtinnen: ≈ 5 % (FAO / IAASTD)
Mögliche Ertragssteigerung bei gleichem Ressourcenzugang: 20–30 % (FAO)
Erzeuger:innen von Bottega Botanika, von Frauen geführt: > 80 % (Bottega Botanika)
FAQ
Wie hoch ist der Frauenanteil in der Landwirtschaft weltweit wirklich?
Die FAO beziffert ihn 2019 auf rund 38 % der landwirtschaftlichen Arbeitskräfte weltweit, mit erheblichen regionalen Unterschieden. Ältere Erhebungen und Regionen mit hohem Subsistenzanteil kommen teils auf deutlich höhere Werte.
Was bedeutet „ländlicher Feminismus“ konkret?
Er beschreibt den Einsatz für gleiche Rechte von Frauen in der Landwirtschaft: Zugang zu Land, Krediten, Beratung und Entscheidungsmacht — verbunden mit dem Erhalt kleinbäuerlicher, ökologischer Anbaumethoden.
Warum arbeitet Bottega Botanika bevorzugt mit Erzeugerinnen zusammen?
Weil über 80 % unserer Partnerbetriebe von Frauen geführt werden, die Wert auf Bodengesundheit, Sortenvielfalt und faire, direkte Handelsbeziehungen legen — Werte, die im Zentrum unserer Philosophie stehen.
Verbessert eine stärkere Beteiligung von Frauen tatsächlich die Ernährungssicherheit?
Ja. Die FAO schätzt, dass ein gleichberechtigter Zugang zu Ressourcen die Erträge auf von Frauen bewirtschafteten Flächen um 20 bis 30 % steigern könnte, was sich direkt auf die lokale und globale Versorgung auswirkt.
QUELLEN
[1] BZL/landwirtschaft.de. Frauen in der Landwirtschaft — Statistiken für Deutschland (Statistisches Bundesamt, Agrarstrukturerhebung 2023).
https://www.landwirtschaft.de/wirtschaft/beruf-und-betrieb/landwirtschaft-als-beruf/frauen-in-der-landwirtschaft
[2] FAO (2023). The Status of Women in Agrifood Systems. Food and Agriculture Organization of the United Nations, Rome.
https:/ /openknowledge.fao.org/server/api/core/bitstreams/e34863d6-a08a-465e-8d65-2b38f611946d/content/status-women-agrifood-syst ems-2023/chapter1.html
[3] FAO. The role of women in agriculture.
https://www.fao.org/family-farming/detail/en/c/273446/
[4] FAO (2023). Women's equality in agrifood systems could boost the global economy by $1 trillion. https://www.fao.org/investmen t-centre/latest/news/detail/Women-s-equality-in-agrifood-systems-could-boost-the-global-economy-by-1-trillion-reduce-food-insecur






