Von den Zehntausenden essbaren Pflanzenarten, die Menschen im Laufe der Geschichte genutzt haben,
landet heute nur ein winziger Bruchteil regelmäßig auf dem Teller. Alte und autochthone — also ortsansässige,
an eine Region angepasste — Sorten zu erhalten, ist deshalb weit mehr als Nostalgie.
Wie viel Vielfalt tatsächlich verloren ging
Die FAO geht in vielzitierten Schätzungen davon aus, dass seit Beginn des 20. Jahrhunderts etwa drei Viertel
der landwirtschaftlichen Nutzpflanzenvielfalt verloren gegangen sind, da Landwirt:innen weltweit von lokalen
Mehrfachsorten auf wenige, genetisch einheitliche Hochertragssorten umgestiegen sind. Diese Zahl wird in der
Forschung diskutiert, da die zugrunde liegende Datenlage lückenhaft ist — der grundsätzliche Trend hin zu
weniger genetischer Vielfalt gilt jedoch als gut belegt.
Von den weltweit genutzten Nutzpflanzenarten liefern nach FAO-Angaben heute nur drei Kulturen — Reis,
Mais und Weizen — einen Großteil der pflanzlichen Kalorien- und Proteinversorgung der Menschheit. Diese
Konzentration macht globale Ernährungssysteme anfälliger für Schädlinge, Krankheiten und den Klimawandel.
Was „autochthon“ genau bedeutet
Autochthone Sorten sind über Generationen in einer bestimmten Region entstanden oder dort eingebürgert
und an deren Boden, Klima und Schädlingsdruck angepasst — im Gegensatz zu global vermarkteten
Hybridsorten, die überall gleich funktionieren sollen, aber lokale Besonderheiten oft ignorieren.
Anpassung: An lokalen Boden und Klima angepasst (Für gleichmäßige Bedingungen optimiert)
Genetische Vielfalt: Hoch, oft variabel (Gering, genetisch einheitlich)
Ertrag unter Stress: Oft widerstandsfähiger (Anfälliger bei Abweichungen)
Saatgutgewinnung: Meist nachbaufähig (Oft nicht nachbaufähig)
FAQ
Sind alte Sorten automatisch samenfest?
Meistens ja, im Gegensatz zu vielen modernen Hybriden (F1), deren Nachkommen nicht sortenecht nachgebaut
werden können.
Warum sind autochthone Sorten oft weniger ertragreich?
Weil sie nicht auf maximalen Ertrag unter optimalen Bedingungen gezüchtet wurden, sondern auf
Widerstandsfähigkeit unter lokal wechselnden, oft suboptimalen Bedingungen.
Reicht eine Genbank, um Sortenvielfalt zu erhalten?
Nein — Genbanken sichern Proben, aber nur der aktive Anbau durch Landwirt:innen erlaubt Sorten, sich weiter an
neue Umweltbedingungen anzupassen.
Stimmt es, dass drei Kulturpflanzen den Großteil der Kalorien liefern?
Laut FAO liefern Reis, Mais und Weizen zusammen einen sehr großen Teil der pflanzlichen Kalorien- und
Proteinzufuhr weltweit — ein Beleg für die geringe Diversität im globalen Ernährungssystem.
QUELLEN
[1] FAO (1997/2010). Second Report on the State of the World's Plant Genetic Resources for Food and Agriculture.
https://www.fao.org/agriculture/crops/thematic-sitemap/theme/seeds-pgr/sow/en/
[2] FAO Newsroom. What is happening to agrobiodiversity? https://www.fao.org/3/y5609e/y5609e02.htm
[3] Khoury, C.K. et al. (2022). Crop genetic erosion: understanding and responding to loss of crop diversity. New Phytologist.
https://nph.onlinelibrary.wiley.com/
[4] Crop Trust. Svalbard Global Seed Vault. https://www.croptrust.org/work/svalbard-global-seed-vault/






