Lange bevor der Ackerbau begann, ernährten sich Menschen von Wildpflanzen. Dieses Wissen ist nie ganz
verschwunden — es lebt in ländlichen Gemeinschaften, in alten Kochbüchern und heute wieder verstärkt bei
Erzeuger:innen, die bewusst auf Wildsammlung setzen.
Wie groß ist das Wissen um Wildpflanzen wirklich?
Forschende haben weltweit rund 7.000 essbare Pflanzenarten dokumentiert, die im Laufe der
Menschheitsgeschichte für die Ernährung genutzt wurden — verglichen mit den nur rund 150 bis 200 Arten,
die heute kommerziell angebaut werden, und den etwa 15 Kulturpflanzen, die laut FAO den Großteil der
weltweiten Kalorienversorgung sichern.
Wildsammlung erschließt also einen Bruchteil dieses Wissens neu: Wildkräuter, Beeren, Pilze und wild
wachsendes Gemüse, die nie in die industrielle Landwirtschaft überführt wurden, weil sie sich schlecht
standardisieren oder maschinell ernten lassen — nicht, weil sie weniger wertvoll wären.
Nachhaltigkeit als Grundvoraussetzung
Verantwortungsvolle Wildsammlung folgt festen Regeln: Nur so viel ernten, dass sich Bestände erholen
können, seltene und geschützte Arten meiden, und Wissen um Verwechslungsgefahr mit giftigen Pflanzen
konsequent weitergeben. Diese Sorgfalt unterscheidet nachhaltige Sammlung von reiner Ausbeutung
natürlicher Bestände.
Dokumentierte essbare Wildpflanzenarten weltweit: ≈ 7.000 (Ethnobotanische Forschung)
Kommerziell angebaute Pflanzenarten: 150–200 (FAO)
Kulturpflanzen für Großteil der Kalorienversorgung: ≈ 15 (FAO)
FAQ
Ist Wildsammlung automatisch nachhaltiger als Anbau?
Nicht automatisch — entscheidend sind verantwortungsvolle Erntemengen und der Schutz seltener Arten, nicht
die Sammlung an sich.
Warum werden viele essbare Wildpflanzen nicht kommerziell angebaut?
Oft, weil sie sich schlecht standardisieren, maschinell ernten oder lange lagern lassen — wirtschaftliche, nicht
qualitative Gründe.
Ist das Sammeln von Wildpflanzen gefährlich?
Ohne fundiertes Wissen ja, wegen der Verwechslungsgefahr mit giftigen Pflanzen — deshalb ist die Weitergabe
von Erfahrungswissen zentral.
Was unterscheidet Wildsammlung von biologischem Anbau?
Beim Anbau werden Pflanzen gezielt kultiviert; bei der Wildsammlung werden bereits wild wachsende Pflanzen
geerntet, ohne sie vorher angebaut zu haben.
QUELLEN
[1] Ulian, T. et al. (2020). Unlocking plant resources to support food security and promote sustainable agriculture. Plants, People,
Planet. https://nph.onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/ppp3.10145
[2] FAO. Wild foods and biodiversity for food security and nutrition. https://www.fao.org/family-farming/detail/en/c/1146579/
[3] FAO. Statistical Yearbook — plant genetic resources for food security. https://www.fao.org/
[4] Bharucha, Z. and Pretty, J. (2010). The roles and values of wild foods in agricultural systems. Philosophical Transactions of the
Royal Society B. https://royalsocietypublishing.org/doi/10.1098/rstb.2010.0123






