Auf vielen Lebensmitteln stehen Kürzel wie DOP oder IGP, dazu Wörter wie „traditionell“ oder „handwerklich“.
Das sieht auf den ersten Blick ähnlich aus, bedeutet aber sehr Unterschiedliches. Für deutsche
Verbraucher:innen lohnt sich der genaue Blick besonders: Laut einer Studie des
Bundesernährungsministeriums ist die regionale Herkunft für 67 % der Deutschen ein entscheidendes
Kaufkriterium — noch vor dem Preis (66 %) und der Bio-Herkunft (61 %). Hier die einfache Erklärung, ohne
Juristendeutsch.
Was hinter den drei Kürzeln steckt
Stellen Sie sich DOP als das strengste Siegel vor: Alles, was in ein Produkt hineingeht und wie es hergestellt
wird, muss in einer bestimmten Region passieren. Der Boden, das Klima, die Menschen vor Ort — all das
prägt das Produkt, und genau das wird geprüft.
IGP ist etwas lockerer: Hier reicht es, wenn mindestens ein wichtiger Herstellungsschritt in der Region
stattfindet und der gute Ruf des Produkts eindeutig mit diesem Ort verbunden ist.
STG ist nochmal anders: Hier geht es gar nicht um einen Ort, sondern um ein altes Rezept oder eine
traditionelle Herstellungsweise, die es schon seit mindestens 30 Jahren gibt — egal, wo in Europa das Produkt
hergestellt wird.
Wer schaut sich das eigentlich genau an?
Bei allen drei Siegeln kommt regelmäßig jemand von außen vorbei und prüft, ob die Regeln auch wirklich
eingehalten werden. Wer schummelt, verliert das Siegel. Bei Wörtern wie „traditionell“ auf der Verpackung
passiert das nicht — die darf im Grunde jeder verwenden, ganz ohne Kontrolle.
DOP: Streng geprüft, ganzes Produkt kommt aus der Region (Amtliches EU-Siegel)
IGP: Etwas lockerer, ein Schritt reicht (Amtliches EU-Siegel)
STG: Geht um ein altes Rezept, nicht um einen Ort (Amtliches EU-Siegel)
Slow Food Presidio: Schützt seltene, traditionelle Lebensmittel (Private Auszeichnung, keine Behörde)
„Traditionell“, „handwerklich“: Klingt gut, heißt aber rechtlich nichts (Keine Kontrolle dahinter)
FAQ
Was ist der wichtigste Unterschied zwischen DOP und IGP?
Bei DOP muss praktisch alles in der Region passieren, bei IGP reicht ein wichtiger Schritt, wenn der Ruf des
Produkts eindeutig mit dem Ort verbunden ist.
Ist ein Slow-Food-Presidio genauso offiziell wie eine DOP?
Nein — Presidi sind eine sehr wertvolle, aber private Auszeichnung von Slow Food, kein amtliches EU-Siegel.
Bedeutet „traditionell“ auf dem Etikett dasselbe wie STG?
Nein. Nur STG ist ein geprüftes Siegel. Das Wort „traditionell“ allein darf jeder frei verwenden, ganz ohne
Kontrolle.
Wie erkenne ich, ob ein Siegel wirklich kontrolliert wird?
Ein echtes Siegel wie DOP, IGP oder STG lässt sich leicht online nachschlagen und einer offiziellen EU-Liste
zuordnen — bei reinen Werbeworten gibt es so eine Liste nicht.
QUELLEN
[1] Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) / Markant Magazin. Regionalität schlägt Bio: Studie zu
Kaufkriterien deutscher Verbraucher:innen. https://www.markant-magazin.com/strategie/regionalit%C3%A4t-schl%C3%A4gt-bio
[2] Regolamento (UE) 2024/1143 del Parlamento europeo e del Consiglio, applicabile dal 13 maggio 2024. EUR-Lex.
[3] Accredia. DOP – Denominazione di Origine Protetta, IGP, STG. https://www.accredia.it/servizio-accreditato/dop-denominazione
-di-origine-protetta-igp-indicazione-geografica-protetta-stg-specialita-tradizionale-garantita/
[4] Fondazione Slow Food per la Biodiversità. I Presìdi Slow Food: cosa sono.
https://www.fondazioneslowfood.com/it/cosa-facciamo/i-presidi/






